My Life – My Story

Maybe you know my name – but you don't know my story (:

Engel mit gebrochenen Flügeln <3 31. März 2012

Ein großes Dankeschön an meinen Lieblingsideengeber Daniel. (:

Teil 1

Alles war perfekt.

Ich war beliebt.

Ich hatte gute Noten in der Schule.

Ich hatte viele Freunde.

Ich hatte eine wundervolle Familie.

Und dann war plötzlich alles ganz anders.

Lachend laufen meine zwei Freundinnen und ich durch den Gang in Richtung Klassenzimmer. Wie immer machen uns alle anderen Platz. Mir fällt sowas gar nicht auf, natürlich nicht. Es war schon immer so gewesen. Schließlich bin ich hübsch und beliebt und mein Vater ist der Chef der bekanntesten und besten Immobilienfirma in der ganzen Umgebung. Meiner Familie fehlt es an nichts, schon gar nicht an unterwürfigen Menschen um uns herum. Jeder versucht uns zu beeindrucken, um daraus vielleicht Gewinn zu machen, egal in welcher Form.

Teil 2

Auch heute war ich wieder perfekt gestylt worden, von meiner eigenen Stylistin Cindy. Ich trage einen kurzen weißen Jeansrock. Dazu ein dunkelblaues Top und hohe Schuhe. Meine langen dunkelbraunen Haare trage ich offen, eine Sonnenbrille ist lässig reingesteckt. Passend zur langen goldenen Kette um meinen Hals. Alles ist auf einander abgestimmt. In meiner Tasche sind nur wenige Schulsachen, ein Collegeblock und ein Stift, das muss reichen. Ansonsten hab ich nur mein Handy und meine kleine Schminktasche dabei, immerhin gelte ich hier als ein Vorbild, diese Verantwortung ist mir deutlich bewusst. Als ich ins Klassenzimmer komme, bin ich eine der Letzten, trotzdem ist mein Lieblingsplatz am Fenster noch frei. Jeder weiß, dass ich diesen Platz für mich beanspruche, niemand würde das in Frage stellen.

Teil 3

In der ersten Stunde haben wir Englisch. Darin bin ich richtig gut, aber die Lehrerin, Frau Forstner, ist eine echte Zicke. Man kann ihr eigentlich nichts recht machen. Meine Freundinnen, Anna und Natalie, sitzen rechts und links von mir. Nach wenigen Minuten von Frau Forstners Unterricht bin ich schon total gelangweilt. Sie erklärt wieder einmal etwas, was ich schon lange weiß. In meiner Familie wird beinahe so viel Englisch, wie Deutsch gesprochen. Da ständig internationale Geschäftspartner bei uns zum Essen bleiben oder wir mit ihnen Essen gehen, spricht meine ganze Familie fast fließend Englisch und Französisch. Die simplen Übungen in der Schule machen mir deshalb keine Probleme. In Mathe sieht es etwas schlechter aus. Aber dank der Unterstützung von Papas Assistentin Alexis, die Mathematik studiert hat, bekomme ich alles gerade so hin. Während Fr. Forstner also weiter über die Englische Grammatik referiert, drehe ich mich zu meinem Freund Tom, der hinter mir sitzt, um und frage, was er heute Abend so vorhat. Er erwidert, dass er noch nichts Festes geplant hat und fragt mich, ob wir zusammen was unternehmen sollen. Ich nicke und überlege, worauf ich Lust habe. Es ist Freitag, heute Abend sind bestimmt ein paar Partys, aber ob die gut sind, ist fraglich. Es wird Zeit, dass ich wieder eine Party bei uns im Ferienhaus außerhalb der Stadt am See gebe. Aber das braucht definitiv mehr Vorbereitungszeit, als ich heute noch habe. Also diese Woche noch eine andere Party, nächste Woche dann bei mir. Ich frage Tom, ob er Lust auf eine Runde durch die besten Clubs hat. Er nickt und beugt sich gleich zu seinen drei Kumpels aus dem Handballteam hinüber und erklärt ihnen den heutigen Plan. Auch ich drehe mich zu Natalie um und informiere sie. In der Art läuft das eigentlich immer. Tom und ich machen aus, was abends läuft. Wenn wir Party machen wollen, kommen alle mit, wenn wir allein was unternehmen wollen, organisieren sich unsere Freunde was anderes. So wird es auch heute sein.

Teil 4

Ich überlege mir gerade, was ich dann anziehen soll, als mich Frau Forstner mit einer Frage unterbricht. Sie schaut mir erwartungsvoll an, ich habe keine Ahnung, von was sie zuletzt gesprochen hat. Schnell flüstert Anna mir ihre letzten Worte zu und ich antworte in meinem besten Englisch. Frau Forstner zieht verärgert die Augenbrauen hoch, sie dachte wohl, sie hätte mich erwischt. Dann spricht sie einfach weiter. Für den Rest der Stunde habe ich jetzt Zeit in aller Ruhe mein Styling zu planen. Immer wieder gehe ich verschiedene Kombinationen durch, aber nichts stellt mich einigermaßen zufrieden. Also wird mir nichts anderes übrig bleiben, als heute Nachmittag mit Cindy shoppen zu gehen. Ich hoffe die neue Kollektion von Magic ist schon raus. Eine meiner Lieblingsmarken, sie haben einfach immer die besten Teile.

Teil 5

Als es nach einer schier unendlichen Doppelstunde Englisch endlich zur Pause klingelt, gehe ich zielstrebig nach draußen auf den großen Pausenhof. Sowohl Natalie und Anna, als auch Tom und seine Freunde folgen mir. Draußen scheint die Sonne, aber es ist ziemlich kalt für Mitte Juli. Trotzdem setze ich mich auf die Bank neben dem großen Ahorn, wo ich in der Pause immer bin. Meine Freunde gesellen sich um mich. Wir sprechen über unsere Pläne für heute Abend. Es soll eine neue Bar eröffnen, vielleicht schauen wir uns die mal an, aber natürlich werden wir auch in unsere üblichen Clubs gehen. Dort können wir uns einfach sicher sein, dass es ein guter Abend wird. Schnell ist die Pause wieder zu Ende und wir müssen zurück in den Unterricht. Aber für den restlichen Morgen bin ich in Gedanken versunken, ich male mir aus, wie der Abend wird und was wir das restliche Wochenende machen könnten. Ich fange auch gleich schon mal mit der Planung meiner nächsten Party im Ferienhaus an. Es soll eine Motto-Party werden, die sind immer am besten. Vielleicht „black & white“, das gab es schon lange nicht mehr. Außerdem könnte ich dann als Gastgeberin ein rotes Kleid tragen, das gäbe einen tollen Akzent. Ich bin unentschlossen. Aber da läutet auch schon die Schulglocke zum Zeichen für das Ende der letzen Stunde.

Teil 6

Wie üblich werde ich auch heute von Mamas Chauffeur Christian abgeholt. Er teilt mir mit, dass er mich direkt zu einem Essen mit meinen Eltern in einem französischen Restaurant fahren würde. Soll mir auch Recht sein, original französisches Essen ist einfach wunderbar und so bin ich gleich in der Stadtmitte und kann mir noch was zum Anziehen für heute Abend kaufen. Im Restaurant angekommen, sitzen meine Eltern und mein großer Bruder Daniel schon an einem Tisch am Fenster. Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet, sie sind allein, keine Geschäftspartner oder andere Freunde der Familie, nur meine Eltern, Daniel und ich. Ich bin positiv überrascht, das hat es schon lange nicht mehr gegeben. Ich setze mich und schaue in die Runde. Alle lächeln mich freundlich an. Mein Vater fragt, was ich essen will. Ich nehme das gleiche wie immer. Dann unterhalten wir uns alle darüber, was wir heute schon gemacht haben. Mein Vater und Daniel erzählen von einer Gruppe Geschäftspartnern aus der Schweiz, die den ganzen Betrieb mit ihren Extrawünschen auf Trab halten. Wir lachen viel, es wurde ein entspanntes Mittagessen. Als wir dann aufstehen und gehen wollen, teile ich meinen Eltern mit, dass ich mit Christian und Cindy noch in die Stadt will, weil ich noch ein neues Kleid für heute Abend brauche. Sie sind zwar wenig begeistert, weil sie dachten, wir fahren alle zusammen nach Hause, aber schließlich lassen sie mich doch gehen.

Teil 7

Ich mache mich mit Cindy, die ich vorher zu mir bestellt habe, auf den Weg zum großen Shop von Magic in der Stadtmitte. Dort verbringe ich dann mehr als eine Stunde damit, alles anzuschauen und anzuprobieren, aber ich bin mit nichts wirklich zufrieden. Die neuen Schnitte und Farbe gefallen mir alle nicht so richtig. Plötzlich fällt mir ein Kleid ins Auge. Es hängt etwas verlassen an einer Kleiderstange. Ich bin sofort begeistert, es ist ein kurzes, dunkelblaues Exemplar. Die schon etwas genervte Verkäuferin folgt meinem Blick. Sie schaut mich fragend an. Ich nicke und sie läuft los um mir das Kleid zu holen. Cindy bemerkt nichts, sie ist am andern Ende des Ladens auf der Suche nach einem anderen passenden Outfit für mich. Ich probiere das Kleid an und bin verzaubert. Es ist ein Traum. Als ich aus der Kabine trete, höre ich wie Cindy die Luft einzieht. Ich blicke sie an und auch in ihren Augen glänzt die Begeisterung. Das ist eindeutig das perfekte Kleid. Das nehme ich auf jeden Fall mit. Während ich mich wieder umziehe, geht Cindy mit der Verkäuferin zur Kasse und kauft das Kleid. In mir steigt die Vorfreude auf heute Abend, ich werde wieder einmal viele Komplimente zu hören kriegen.

Teil 8

Cindy und ich fahren gleich nach Hause. Es ist außer uns niemand da. Obwohl meine Eltern und Daniel eigentlich angekündigt hatten, dass sie gleich in unsere Villa fahren wollten. Ich mache mir keine weiteren Gedanken darüber, sie sind vielleicht nochmal ins Hauptbüro gefahren, ich habe keine Zeit darüber nachzudenken. Ich muss mich auf heute Abend vorbereiten. Zusammen mit Cindy gehe ich ins große Bad. Während sich Cindy also um mein Äußeres kümmert, checke ich meine Mails und SMS. Anna fragt, ob sie und Natalie noch vorbeikommen sollen, damit wir dann zusammen gehen können. Ich überlege kurz und sage dann zu. Zu dritt ist Limousine fahren viel lustiger. Dann noch eine SMS von Tom, in der er mir mitteilt, wie sehr er sich auf heute Abend freut. Ich lächle, schreibe aber nicht zurück. Mittlerweile ist es Zeit mein Kleid anzuziehen. Vor dem großen Spiegel stehend bewundere ich es wieder. Es ist einfach ein Prachtstück, engelsgleich. In dem Moment, als ich gerade mit allem fertig bin, klingelt es an der Haustür. Estelle, unser Hausmädchen öffnet. In der Erwartung, dass es wohl Anna und Natalie sein werden, gehe ich die Treppen hinunter zur Haustüre. Aber da stehen nicht meine beiden Freundinnen, sondern zwei Polizisten.

Teil 9

Ein Mann und eine Frau. Ich weiß nicht, was sie hier zu suchen haben. Die Polizistin fragt, ob ich Joana bin. Ich nicke und frage mich woher sie meinen Namen kennt und was sie wohl von mir will. Sie stellt sich als Frau Becker und ihren Kollegen als Herr Mayer von der örtlichen Polizei vor. Ich weiß immer noch nicht, was das Ganze hier soll. Frau Becker fragt, ob sie herein kommen dürfen. Ich führe sie ins geräumige Wohnzimmer. Wir setzen uns in die kuschligen Sessel und sie beginnt zu erzählen, dass es einen Unfall in der Stadt gab. Es sei wohl ein technischer Defekt bei den Bahnschranken gewesen. Sie sind  nicht rechtzeitig nach unten gefahren. Ein schwarzer Porsche wurde vom Schnellzug erfasst und total zerstört. Die drei Insassen waren vermutlich sofort tot. Meine Knie werden weich und mir wird schwarz vor Augen. Ich erfasse langsam die Zusammenhänge. Das war unser schwarzer Porsche und die drei Insassen waren meine Familie. Das Wort „Tot“ schwirrt in meinem Kopf herum. Ich drohe umzukippen, aber ich kann nicht. Ich muss alles erfahren. Vielleicht ist es auch eine Verwechslung. Doch gerade zerstört Herr Mayer alle meine Hoffnungen, indem er sagt, dass die Insassen zweifellos als meine Eltern und mein großer Bruder identifiziert sind. Da zerbricht etwas in mir. Ich fühle nur noch Schmerz. Das kann doch alles gar nicht wahr sein. Mir wird schwarz vor Augen. 

Teil 10

Als ich das nächste Mal aufwache, liege ich in meinem Bett. Um mich herum ist alles dunkel. Ich kann nicht sagen, wie viel Uhr ist oder wie lange ich hier schon liege. Mein Kopf tut höllisch weh. Zuerst weiß ich nicht mehr was passiert ist, aber dann durchfährt es mich. Ich bin Waise. Meine komplette Familie ist bei einem Autounfall gestorben. Weitere Verwandte habe ich nicht. Mein Vater hatte nur eine Schwester, die aber vor einigen Jahren an Krebs gestorben ist. Meine Mutter war Einzelkind. Ich bin völlig allein. Mir laufen Tränen über das Gesicht. Ich bin total verzweifelt. Ich bin mit allem überfordert. Am liebsten würde ich einfach weiterschlafen. Aber was sollte das schon bringen? Tausend Fragen fliegen durch meinen Kopf. Ich denke darüber nach, wie sowas passieren kann. Noch gestern war ich eins der glücklichsten Mädchen überhaupt. Wie ein Engel auf Erden habe ich mich nach dem gemütlichen Mittagessen mit meiner Familie gefühlt. Bin mit meinem neuen Kleid wie ein Engel durchs Leben geflogen. Und jetzt? Jetzt habe ich nichts mehr. Mir wurde alles genommen. Ich werde nie wieder wie ein Engel fliegen können.

J <3 – selbstgeschrieben

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One Response to “Engel mit gebrochenen Flügeln <3”

  1. Basil Says:

    Hallo, ich bin mal so frei und poste was in deinen Blog. Sieht schick aus! Ich nutze auch WordPress seit kurzem einige Dinge verstehe ich aber noch nicht so ganz. Deine Seite ist mir da immer eine grosse Anregung. Weiter so!


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